Ein Harnwegsinfekt durch Katheter entsteht, wenn Bakterien über das Kathetermaterial in die Harnwege gelangen.
Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung haben ein erhöhtes Risiko, betroffen zu sein.
Die Symptome unterscheiden sich häufig von einer klassischen Blasenentzündung und können unspezifisch oder schwer erkennbar sein.
Der Nachweis von Bakterien im Urin allein bedeutet nicht automatisch, dass ein behandlungsbedürftiger Infekt vorliegt.
Die Diagnose erfolgt schrittweise: Beschwerden und Urinuntersuchung werden gemeinsam ärztlich bewertet.
Die Behandlung erfolgt in der Regel antibiotisch: Ein Antibiogramm unterstützt dabei, Antibiotika gezielt auszuwählen und Resistenzen zu vermeiden.
Eine sorgfältige Katheterhandhabung sowie individuell angepasste Präventionsmaßnahmen können das Infektionsrisiko deutlich senken.
Harnwegsinfekte (HWI) gehören zu den häufigsten Komplikationen bei Menschen, die dauerhaft oder regelmäßig auf eine Katheterisierung angewiesen sind. Besonders häufig betroffen sind Patient:innen mit neurogener Blasenfunktionsstörung – beispielsweise infolge von Spina bifida, Multipler Sklerose oder einer Querschnittlähmung.
Das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter wird durch verschiedenen Faktoren beeinflusst. Da eine langfristige Antibiotikaprophylaxe – insbesondere zur Vermeidung von Resistenzentwicklungen – nicht routinemäßig empfohlen wird, gewinnen heute nicht-antibiotische Maßnahmen zur Prävention zunehmend an Bedeutung. Auch eine strukturierte pharmazeutische Beratung spielt dabei eine zentrale Rolle.
Im Kompetenzzentrum Blase & Darm der Hohenzollern Apotheke begleiten wir Patient:innen mit neurogener Blasenfunktionsstörung sowie deren Angehörige mit fundierter pharmazeutischer Fachkompetenz und langjähriger Erfahrung. Von der sicheren Versorgung mit Arzneimitteln- und begleitenden Hilfsmitteln bis hin zur Beratung bei einem Harnwegsinfekt durch Katheter: Wir unterstützen Sie mit praxisnahen Empfehlungen zur Katheterhygiene und alltagstauglichen Tipps dabei, ihre Blasengesundheit langfristig zu erhalten.
Wie Blasenentzündungen im Zusammenhang mit einem Blasenkatheter entstehen, woran sie erkannt werden können und welche Maßnahmen helfen, gezielt vorzubeugen – diese unter weitere wichtige Informationen haben wir in diesem Beitrag für Sie übersichtlich zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist ein Harnwegsinfekt durch Katheter?
- Was sind die Ursachen für einen Harnwegsinfekt durch Katheter?
- Wie hoch ist das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter?
- Wie wird ein Harnwegsinfekt durch Katheter diagnostiziert
- Wie wird ein katheterassoziierter Harnwegsinfekt behandelt?
- Allgemeine Empfehlungen
- Prävention bei Dauerkatheter
- Besonderheiten und Unterstützung beim intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK)
- Weitere präventive Maßnahmen bei wiederkehrenden Infekten
- Unterstützende Maßnahmen
- Harnwegsinfekt durch Katheter: Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Harnwegsinfekt durch Katheter?
Ein Harnwegsinfekt durch Katheter ist eine symptomatische Infektion der Harnwege, die in einem zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang mit der Anwendung eines Blasenkatheters steht. Er entsteht meist durch aufsteigende Bakterien, die im Rahmen der Katheterisierung leichter in die Harnblase gelangen können. Häufig handelt es sich dabei um Darmbakterien wie Escherichia coli.
Besonders häufig betroffen sind Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung, die regelmäßig katheterisieren. Zusätzliche Risikofaktoren wie Restharn, eine eingeschränkte Blasenentleerung oder eine veränderte Blasenfunktion können die Entstehung von Infektionen zusätzlich begünstigen.
Harnwegsinfektionen zählen insgesamt zu den häufigsten nosokomialen Infektionen (Krankenhausinfektionen). Katheterassoziierte Blasenentzündungen machen dabei einen erheblichen Anteil aus.
Was sind die Ursachen für einen Harnwegsinfekt durch Katheter?
Überbrückung der natürlichen Schutzbarriere
Die Harnröhre verfügt über natürliche Schutzmechanismen, die das Aufsteigen von Keimen in die Blase normalerweise verhindern. Ein Katheter kann diese Schutzbarriere mechanisch überbrücken und Bakterien dadurch einen direkten Zugang zur Harnblase ermöglichen.
Anatomische Faktoren: Erhöhtes Risiko bei Frauen
Frauen sind aufgrund der kürzeren Harnröhre grundsätzlich anfälliger für Harnwegsinfektionen. Zusätzlich können hormonelle Veränderungen, etwa in den Wechseljahren, die Schleimhautbarriere schwächen und das Infektionsrisiko weiter erhöhen.
Einschleppung von Keimen
Auch bei sorgfältiger Katheterhygiene lässt sich das Risiko einer Keimeinschleppung nicht vollständig ausschließen. Beim Einführen kommt das Kathetermaterial mit Haut und Schleimhäuten im Genitalbereich in Kontakt, die natürlicherweise mit Bakterien besiedelt sind. Dadurch können Keime in die Harnröhre und von dort weiter in die Blase gelangen. Eine gute Hygiene ist daher besonders wichtig – ein Restrisiko bleibt jedoch bestehen.
Mechanische Reizung der Blasenschleimhaut
Bei der Katheterisierung kann die empfindliche Schleimhaut der Harnwege mechanisch gereizt werden oder es können kleine, meist unbemerkte Verletzungen entstehen. Dies schwächt die lokale Abwehr und erleichtert es Bakterien, sich an der Blasenwand festzusetzen und zu sich vermehren.
Restharn und unvollständige Blasenentleerung
Bei Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung kommt es häufig zu Harnverhalt oder einer unvollständigen Blasenentleerung. Verbleibt Restharn in der Blase, bietet dieser Bakterien einen idealen Nährboden. Das Infektionsrisiko steigt dadurch deutlich.
Weitere begünstigende Faktoren
Zusätzliche Faktoren können das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter weiter erhöhen, zum Beispiel:
Störungen im Darmmanagement (z.B. Stuhlinkontinenz)
dauerhaft geringe Trinkmenge
Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus
eine geschwächte Immunabwehr
Blasen- oder Nierensteine
Besonderheiten beim ISK
Beim ISK kommt es durch den regelmäßigen Katheterwechsel wiederholt zu einer mechanischen Belastung der Harnröhre und der Blasenschleimhaut. Diese wiederkehrende Reizung kann das Risiko für Harnwegsinfektionen erhöhen.
Besonderheiten beim Dauerkatheter: Biofilmbildung
Beim Dauerkatheter verbleibt der Blasenkatheter über einen längeren Zeitraum in der Blase. In dieser Zeit können sich Bakterien an der Katheteroberfläche anlagern und einen sogenannten Biofilm bilden. Dieser schützt die Keime und erleichtert ihre Vermehrung. Innerhalb des Biofilms sind Bakterien für das Immunsystem und für Antibiotika häufig schwerer erreichbar – dadurch wird die Entstehung und das Fortbestehen von Harnwegsinfektionen begünstigt.

Wie hoch ist das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter?
Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) sowie die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) sind sich einig: Der ISK ist im Vergleich zum Dauerkatheter insgesamt mit einem geringerem Rsiko für katheterassoziierte Harnwegsinfektionen verbunden.
Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass beim ISK kein dauerhaftes Fremdmaterial in der Blase verbleibt. Dadurch wird die kontinuierliche Besiedelung mit Bakterien sowie die Bildung von Biofilmen deutlich reduziert.
Dennoch gilt auch beim ISK: Das individuelle Infektionsrisiko hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem von der Kathetertechnik (Einführen und Entfernen), der Häufigkeit der Katheterisierung, hygienischen Maßnahmen sowie begleitenden Grunderkrankungen.
Welche Symptome treten bei einem Harnwegsinfekt durch Katheter auf?
Die Symptome unterscheiden sich bei einem Harnwegsinfekt durch Katheter häufig von denen einer klassischen Blasenentzündung. Typische Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen sind oft nicht vorhanden oder lassen sich nicht eindeutig zuordnen.
Gerade bei Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung können Schmerzen oder verstärkter Harndrang vermindert wahrgenommen werden. Stattdessen äußert sich ein Harnwegsinfekt durch Katheter häufig atypisch und durch unspezifische Allgemeinsymptome. Welche Anzeichen auftreten, hängt zudem von der Katheterart und der individuellen Blasenfunktion ab.
Symptome | ISK | Dauerkatheter |
|---|---|---|
Fieber oder erhöhte Körpertemperatur | Ja | Ja |
Allgemeines Unwohlsein oder Krankheitsgefühl | Ja | Ja |
Müdigkeit oder ausgeprägte Abgeschlagenheit | Ja | Ja |
Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch | Ja | Ja |
Flankenschmerzen bzw. Rückenschmerzen im Bereich der Nieren | Ja | Ja |
Neu auftretende Schmerzen im Bereich der Blase oder entlang des Katheterverlaufs | Nein | Ja |
Schmerzen oder Reizgefühl entlang der Harnröhre | Ja | Nein |
Brennen oder Schmerzen beim Katheterisieren | Ja | Nein |
Neu auftretende oder verstärkte Blasenkrämpfe | Ja | Ja |
Trüber, übelriechender oder auffällig veränderter Urin | Ja | Ja |
Vermehrte Trübungen, Ablagerungen oder Beläge im Katheterschlauch oder im Urinbeutel | Nein | Ja |
Blut im Urin (Hämaturie) | Ja | Ja |
Undichtigkeiten oder vermehrter Urinabgang neben dem Katheter | Nein | Ja |
Zunahme einer bestehenden Inkontinenz | Ja | Ja |
Katheterbedarf häufiger als üblich | Ja | Nein |
Wann ist ärztliche Hilfe erforderlich?
Da sich eine Blasenentzündung bei katheterisierten Patient:innen häufig anders äußert als eine klassische Blasenentzündung, sollten auch unspezifische Veränderungen des Allgemeinbefindens ernst genommen werden.
Für Menschen, die katheterisieren ist es besonders wichtig, bei bestimmten Beschwerden oder Veränderungen frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese Anzeichen können auf eine Blasenentzündung hinweisen – auch dann, wenn noch keine eindeutige Diagnose gestellt wurde.
Ärztliche Abklärung ist erforderlich bei:
- Fieber oder Schüttelfrost
- ausgeprägtem Krankheitsgefühl, deutlicher Müdigkeit oder Leistungseinbruch
- zunehmenden Schmerzen im Unterbauch, Rücken oder Nierenbereich
- sichtbarem Blut im Urin
- neu auftretender oder deutlich zunehmender Inkontinenz
- auffälligen Veränderungen des gewohnten Befindens (z.B. Zunahme von Spastik, Verwirrtheit oder Unruhe)
- Beschwerden, die wiederholt auftreten oder sich trotz Maßnahmen nicht bessern
Besonders aufmerksam sollten sein:
- Kinder
- Frauen während der Schwangerschaft
- Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung
- Patient:innen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder einer geschwächten Immunabwehr
- Personen mit Blasen- oder Nierensteinen
- Menschen mit Unsicherheiten in der Katheteranwendung
- Patient:innen mit häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen (mehr als zwei Infekte innerhalb von sechs Monaten oder drei pro Jahr)
Wie wird ein Harnwegsinfekt durch Katheter diagnostiziert
Ein Harnwegsinfekt durch Katheter wird schrittweise diagnostiziert. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Befund, sondern das Zusammenspiel aus Beschwerden, ärztlicher Einschätzung und Laboruntersuchungen.
Viele Patient:innen überprüfen einen möglichen Harnwegsinfekt durch Katheter zunächst selbst mithilfe von Urintests. Es kann sinnvoll sein, entsprechende Tests zu Hause vorrätig zu haben und sie bei Bedarf anzuwenden. Wichtig ist jedoch: Die Aussagekraft hängt wesentlich von der korrekten Durchführung und Auswertung ab. Da sich die Gebrauchsanweisungen je nach Hersteller unterscheiden, sollten sie immer genau beachtet werden. Bereits kleine Abweichungen bei Anwendung oder Ablesezeit können zu einer Fehleinschätzung führen.
Ergänzend sollte auch der Einsatz von Schleimhautdesinfektionsmitteln berücksichtigt werden.
Die Händehygiene ist obligatorisch. Im Rahmen des aseptischen intermittierenden Katheterismus erfolgt anschließend die Desinfektion der Harnröhrenöffnung, über die der Urin den Körper verlässt. Für die Schleimhautdesinfektion sind ausschließlich zugelassene Schleimhaut-Desinfektionsmittel zu verwenden.

Bei entsprechenden Beschwerden sollten sich Patient:innen an ihre behandelnde Hausärzt:innen, Urolog:innen oder Neurolog:innen wenden. Dort werden die Symptome, Veränderungen des Allgemeinbefindens sowie deren zeitlicher Verlauf erfasst und klinisch eingeordnet. Gerade bei katheterisierten Patient:innen ist diese Einschätzung besonders wichtig, da die Beschwerden häufig unspezifisch sind.

Im nächsten Schritt erfolgt eine Urinuntersuchung. Dabei ist die Unterscheidung zwischen einem reinen Nachweis von Bakterien im Urin (Bakteriurie) und einem behandlungsbedürftigen Infekt entscheidend:
Bei katheterisierten Menschen ist der Nachweis von Bakterien im Urin nicht ungewöhnlich. Liegen keine begleitenden Beschwerden oder Krankheitszeichen vor, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Diese gilt gemäß medizinischer Leitlinien nicht als behandlungsbedürftige Blasenentzündung.
Zur weiteren Abklärung wird häufig eine Urinkultur angelegt. Sie liefert wichtige Hinweise für das weitere Vorgehen, da sie zeigt, welche Bakterien im Urin vorhanden sind und in welcher Menge.

Für die endgültige Diagnose werden die Symptome, die klinische Einschätzung sowie die Ergebnisse der Urinuntersuchung ärztlich zusammengeführt und bewertet. Erst diese Gesamtbetrachtung ermöglicht eine fundierte Entscheidung darüber, ob eine behandlungsbedürftige Blasenentzündung vorliegt und welche Therapie sinnvoll ist.
Wie wird ein katheterassoziierter Harnwegsinfekt behandelt?
Ergänzend zur antibiotischen Therapie können unterstützende Maßnahmen sinnvoll sein, zum Beispiel:
eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen)
körperliche Schonung bei ausgeprägtem Krankheitsgefühl oder Fieber
Bei wiederkehrenden katheterassoziierten Blasententzündungen reicht eine reine Akutbehandlung häufig nicht aus. In diesen Fällen wird gemeinsam mit den behandelnden Ärzt:innen geprüft, wie die Therapie langfristig angepasst werden kann, um erneuten Infekten gezielt vorzubeugen.
Ein Harnwegsinfekt durch Katheter wird gezielt und zurückhaltend behandelt. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern, Komplikationen zu vermeiden und unnötige Antibiotikagaben zu verhindern.
In der Regel erfolgt die Behandlung als gezielte Antibiotikatherapie. Grundlage ist häufig ein Antibiogramm, mit dem geprüft wird, welches Antibiotikum gegen den nachgewiesenen Erreger wirksam ist. So kann die Therapie gezielt gesteuert und das Risiko für Antibiotikaresistenzen reduziert werden.
Die Dauer der Antibiotikabehandlung legen die behandelnden Ärzt:innen fest. Dabei gilt der Grundsatz: so kurz wie möglich und so lang wie nötig. Eine zu kurze Behandlung kann den Infekt nicht ausreichend beseitigen, während eine zu lange Therapie das Risiko für Nebenwirkungen und Resistenzen erhöht.
Auch der Umgang mit dem Blasenkatheter spielt eine wichtige Rolle.
- Bei einem Dauerkatheter wird häufig geprüft, ob ein Katheterwechsel sinnvoll ist.
- Beim ISK kann die Kathetertechnik überprüft und bei Bedarf angepasst werden, um Reizungen und Infektionsrisiken zu reduzieren.
Wie lässt sich ein Harnwegsinfekt durch Katheter vermeiden?
Ein Harnwegsinfekt durch Katheter lässt sich nicht immer vollständig verhindern. Mit konsequenten und alltagstauglichen Maßnahmen kann das Risiko jedoch deutlich gesenkt werden – insbesondere bei Menschen mit wiederkehrenden Infekten.
In unserem Kompetenzzentrum Blase & Darm beraten wir Sie gerne zur sicheren Anwendung von Blasenkathetern und begleitenden Hilfsmitteln sowie zu weiteren Fragen der Infektprävention.

Allgemeine Empfehlungen
Ausreichend trinken
In der Regel 1,5–2 Liter täglich (z.B. Wasser, Kräutertee oder verdünnte Säfte), sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen
Regelmäßige Blasenentleerung nach ärztlicher Vorgabe, um Restharn und eine Überdehnung der Blase zu vermeiden
Wärme und Ruhe, um das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen
Sorgfältige Katheterhygiene, insbesondere:
- Hände vor jeder Katheterisierung gründlich desinfizieren
- sterile Einmalkatheter verwenden
- auf eine möglichst saubere Umgebung achten
- Desinfektion der Harnröhrenöffnung vor Einführen des Katheters

Wir unterstützen unter anderem bei Fragen zur Infektprophylaxe, zur sicheren Anwendung von Kathetern und begleitenden Hilfsmitteln sowie dabei individuelle Risikofaktoren zu erkennen und die Blasengesundheit nachhaltig zu stärken.
Isabel Wendland
Apothekerin
Prävention bei Dauerkatheter
Konsequente Katheterpflege
Bei Verweilkathetern ist das Infektionsrisiko höher als bei anderen Formen der Blasenentleerung. Um das Risiko möglichst gering zu halten, ist eine konsequente Katheterpflege besonders wichtig. Dazu gehören unter anderem:
- hygienischer Umgang mit dem gesamten Harnableitungssystem (Schlauchsystem, Auffangbeutel usw.), um Keimverschleppung und Rückfluss zu vermeiden
- ein möglichst geschlossenes System, das nicht unnötig unterbrochen wird
- spannungsfreie Fixierung von Katheter und Schlauch, um Zug, Druck und Reibung zu vermeiden
- Veränderungen von Urinfarbe, Geruch oder Allgemeinbefinden ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.
- Spülungen von Blase oder Kathetermaterial ausschließlich nach ärztlicher Anordnung (nicht zur routinemäßigen Infektvorbeugung)
Kurze Katheter-Liegedauer
- Ein Dauerkatheter sollte nur eingesetzt werden, wenn er medizinisch notwendig ist.
- Die Anwendung eines Dauerkatheters sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
- Eine regelmäßige ärztliche Überprüfung, ob der Dauerkatheter weiterhin erforderlich ist, ist wichtig.
Regelmäßiger Katheterwechsel
- Katheterwechsel erfolgen ausschließlich nach ärztlicher Vorgabe und nicht routinemäßig „auf Verdacht“.
- Ein Wechsel kann sinnvoll sein, wenn Infektionen auftreten oder sich neue Beschwerden entwickeln
- Ziel ist es, die Keimbelastung zu reduzieren und das Risiko für weitere Blasenentzündungen zu senken.
Besonderheiten und Unterstützung beim intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK)
Sterile Technik
Hygienisches Arbeiten beim Katheterisieren senkt das Infektionsrisiko.
Geeignetes Kathetermaterial
Hydrophil beschichtete Einmalkatheter schonen die Schleimhaut und werden häufig empfohlen. Katheter mit Schutzhülsen und Schutzfolien für berührungsfreies Einführen können für mehr Sicherheit sorgen.
Regelmäßige Blasenentleerung
Individuell angepasste Katheterintervalle helfen, Restharn und eine Überdehnung der Blase zu vermeiden.
Symptome ernst nehmen
Schon leichtes Brennen, trüber Urin oder Veränderungen des Allgemeinbefindens können frühe Warnsignale sein.
Schulung und Kontrolle
Regelmäßige Überprüfung der Technik durch geschultes Fachpersonal erhöht Sicherheit, Routine und Selbstvertrauen im Alltag.
Weitere präventive Maßnahmen bei wiederkehrenden Infekten
Überprüfung der Blasenspeicherfunktion (z.B. Niederdruckspeicherung)
Optimierung der Kathetertechnik sowie der verwendeten Hilfsmittel
Vermeidung einer chronischen Blasenüberdehnung (z.B. Anpassung der Katheterintervalle)
Behandlung struktureller Risikofaktoren (z.B. Blasen- oder Nierensteine oder unzureichend behandelte neurogene Detrusorüberaktivität)
Unterstützende Maßnahmen
Phytotherapie
Pflanzliche Präparate können unterstützend wirken (z.B. indem sie das Anhaften von Bakterien an der Blasenwand erschweren).
Probiotika
Bestimmte Lactobacillus-Stämme können zur Stabilisierung der natürlichen Vaginal- und Harnröhrenflora beitragen.
Lokale Östrogentherapie
Nach der Menopause kann eine lokale Anwendung die Schleimhaut stärken (ärztliche Abklärung erforderlich).
Immunstimulation
Bakterienlysate können bei ausgewählten Patient:innen die Infektrate reduzieren.
Blaseninstillationen
Hyaluronsäure- oder Chondroitin-Instillationen können die Blasenschleimhaut unterstützen; Nutzen und Kostenübernahme sind individuell zu prüfen.
Antibiotische Prophylaxe
Nur in Ausnahmefällen und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung.
Sprechen Sie uns an!
Sie haben Fragen zum Thema Blasengesundheit oder möchten sich von uns beraten lassen? Wir sind für Sie da: Mit unserem Kompetenzzentrum Blase & Darm sind wir als Apotheke spezialisiert auf die Betreuung von Patient:innen mit neurogener Blase. Nehmen Sie ganz einfach telefonisch oder per E-Mail Kontakt mit unseren Expert:innen auf.

Harnwegsinfekt durch Katheter: Häufig gestellte Fragen
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Einmalkatheterisierung (ISK) und einem Dauerkatheter. Beim ISK wird die Blase mehrmals täglich mithilfe eines sterilen Einmalkatheters entleert. Ein Dauerkatheter verbleibt über einen längeren Zeitraum in der Blase und wird entweder transurethral (über die Harnröhre) oder suprapubisch (über die Bauchdecke) gelegt.
Eine Katheterisierung erhöht grundsätzlich das Risiko für eine Blasenentzündung. Der ISK gilt insgesamt als schonender und ist mit einem geringeren Infektionsrisiko verbunden als ein Dauerkatheter. Das persönliche Risiko hängt zusätzlich von individuellen Faktoren ab (z.B. Vorerkrankungen oder Dauer der Katheteranwendung)
Ein Harnwegsinfekt durch Katheter äußert sich häufig anders als eine klassische Blasenentzündung. Mögliche Anzeichen sind unter anderem:
- Fieber oder allgemeines Krankheitsgefühl
- neu auftretende oder zunehmende Inkontinenz
- Schmerzen im Unterbauch, Rücken oder Nierenbereich
- vermehrte Spastik oder ungewohnte Erschöpfung
Veränderungen des Urins (z.B.Trübungen oder auffälliger Geruch) deuten nur im Zusammenhang mit weiteren Beschwerden auf eine Blasenentzündung hin.
Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll bei Fieber, zunehmendem Krankheitsgefühl, Schmerzen, sichtbarem Blut im Urin oder wenn sich der Zustand deutlich verändert. Diese Symptome können auf einen Harnwegsinfekt durch Katheter hinweisen und sollten erst genommen werden. Auch bei wiederkehrenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Nein. Bakterien im Urin allein sind bei Katheterträger:innen häufig. Liegen keine weiteren Beschwerden vor, handelt es sich in der Regel um eine asymptomatische Bakteriurie. Diese gilt nicht als behandlungsbedürftige Blasenentzündung und sollte nicht mit Antibiotika behandelt werden.
Die Entscheidung über eine Therapie treffen stets die behandelnden Ärzt:innen.
In den meisten Fällen ist ein Harnwegsinfekt durch Katheter gut behandelbar, wenn er frühzeitig erkannt und gezielt therapiert wird. Die Beschwerden klingen dann in der Regel innerhalb weniger Tage bis Wochen ab.
Wird ein Harnwegsinfekt durch Katheter jedoch nicht erkannt oder nicht ausreichend behandelt, können sich die Beschwerden verstärken oder auf die oberen Harnwege übergreifen, zum Beispiel auf die Nieren. Auch wiederkehrende Infekte sind möglich, insbesondere bei bestehenden Risikofaktoren.
In seltenen Fällen kann sich ein unbehandelter oder schwer verlaufender Infekt über die Harnwege hinaus ausbreiten, etwa mit Bakterien im Blut (Bakteriämie). Sehr selten sind auch schwere systemische Verläufe wie eine Sepsis möglich, die eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich machen können.
Bei einem Dauerkatheter kann ein Katheterwechsel bei einem Harnwegsinfekt durch Katheter sinnvoll sein. Ob und wann ein Wechsel erfolgt, entscheiden die behandelnden Ärzt:innen. Beim ISK werden in der Regel weiterhin sterile Einmalkatheter verwendet; hier steht vor allem die Überprüfung der Kathetertechnik im Vordergrund.
Ja. Beim ISK wird das Katheterisieren in der Regel auch bei einem Harnwegsinfekt durch Katheter fortgeführt. Wichtig sind dabei eine sorgfältige Hygiene sowie die ärztlich abgestimmte Behandlung des Infekts.
Eine sorgfältige Katheterhygiene, regelmäßige Blasenentleerung, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (sofern medizinisch möglich) sowie die richtige Katheteranwendung können das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter senken. Im Kompetenzzentrum Blase & Darm der Hohenzollern Apotheke beraten wir Sie hierzu gerne individuell und persönlich.
Ja. Verschiedene pflanzliche Präparate können unterstützend eingesetzt werden, zum Beispiel
- D-Mannose
- Kapuzinerkresse mit Meerrettich
- Canephron®
- Cystinol®
- Cranberry-Präparate.
Sie können dazu beitragen, das Anhaften von Bakterien an der Blasenwand zu erschweren und so das Rückfallrisiko verringern. Lassen Sie sich hierzu individuell im Kompetenzzentrum Blase & Darm beraten.
Eine ausreichende Trinkmenge kann helfen, die Blase zu spülen und Keime auszuschwemmen. Häufig werden 1,5–2 Liter täglich empfohlen.
Bei bestimmten Erkrankungen, etwa Herz- oder Niereninsuffizienz, kann eine erhöhte Trinkmenge jedoch nicht sinnvoll sein. Die passende Trinkmenge sollte daher immer ärztlich abgestimmt werden.
Bei häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen reicht eine reine Akutbehandlung oft nicht aus. In diesen Fällen prüfen die behandelnden Ärzt:innen mögliche Ursachen und passen die Therapie individuell an, um erneuten Infekten gezielt vorzubeugen.
Ein achtsamer Umgang mit dem Katheter, regelmäßige Blasenentleerung, eine individuell passende Trinkmenge sowie das frühzeitige Ernstnehmen von Warnzeichen können dazu beitragen, die Blasengesundheit langfristig zu unterstützen.
Die folgenden medizinischen Quellen und Leitlinien wurden zur Erstellung dieses Artikels herangezogen. Sie dienen der wissenschaftlichen Einordnung und Qualitätssicherung der Inhalte.
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S2k-Leitlinie: Management und Durchführung des intermittierenden Katheterismus bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntrakts. AWMF-Registernummer 043-048. 2020. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-048l_S2k_Management-Durchfuehrung-Intermittierender-Katheterismus-neurogene-Dysfunktion-unterer-Harntrakt_2020-02.pdf
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). S2k-Leitlinie: Management und Durchführung des intermittierenden Katheterismus bei neurogener Dysfunktion des unteren Harntrakts. Update 2026. AWMF-Registernummer 043-048. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-048m_S2k_Management-Durchfuehrung-Intermittierender-Katheterismus-neurogene-Dysfunktion-unterer-Harntrakt_2026-02.pdf
Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU). Prävention und Management von Harnwegsinfektionen. 2015. Verfügbar unter: https://www.dgu.de/fileadmin/MEDIA/Leitlinien/Praes_Empfehl_HWI_2015.pdf
Trautner BW, Darouiche RO. Catheter-associated urinary tract infections: epidemiology, prevention and management. Curr Opin Infect Dis. 2015;28(1):76-82.
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Schülke & Mayr GmbH. Harnwegsinfektion nach Katheterisierung – Ursachen, Symptome und Prävention. Verfügbar unter: https://www.schuelke.com/de-de/wissen/harnwegsinfektion-nach-katheterisierung.php
Die Bilder in diesem Blogartikel dienen der Veranschaulichung und wurden mit KI generiert.





