Harnwegsinfekt durch Katheter

Ursachen verstehen, Symptome erkennen und Infektionen gezielt vorbeugen
Information
  • Ein Harnwegsinfekt durch Katheter entsteht, wenn Bakterien über das Kathetermaterial in die Harnwege gelangen.

  • Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung haben ein erhöhtes Risiko, betroffen zu sein.

  • Die Symptome unterscheiden sich häufig von einer klassischen Blasenentzündung und können unspezifisch oder schwer erkennbar sein.

  • Der Nachweis von Bakterien im Urin allein bedeutet nicht automatisch, dass ein behandlungsbedürftiger Infekt vorliegt.

  • Die Diagnose erfolgt schrittweise: Beschwerden und Urinuntersuchung werden gemeinsam ärztlich bewertet.

  • Die Behandlung erfolgt in der Regel antibiotisch: Ein Antibiogramm unterstützt dabei, Antibiotika gezielt auszuwählen und Resistenzen zu vermeiden.

  • Eine sorgfältige Katheterhandhabung sowie individuell angepasste Präventionsmaßnahmen können das Infektionsrisiko deutlich senken.

Harnwegsinfekte (HWI) gehören zu den häufigsten Komplikationen bei Menschen, die dauerhaft oder regelmäßig auf eine Katheterisierung angewiesen sind. Besonders häufig betroffen sind Patient:innen mit neurogener Blasenfunktionsstörung – beispielsweise infolge von Spina bifida, Multipler Sklerose oder einer Querschnittlähmung.

Das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter wird durch verschiedenen Faktoren beeinflusst. Da eine langfristige Antibiotikaprophylaxe – insbesondere zur Vermeidung von Resistenzentwicklungen – nicht routinemäßig empfohlen wird, gewinnen heute nicht-antibiotische Maßnahmen zur Prävention zunehmend an Bedeutung. Auch eine strukturierte pharmazeutische Beratung spielt dabei eine zentrale Rolle.

Im Kompetenzzentrum Blase & Darm der Hohenzollern Apotheke begleiten wir Patient:innen mit neurogener Blasenfunktionsstörung sowie deren Angehörige mit fundierter pharmazeutischer Fachkompetenz und langjähriger Erfahrung. Von der sicheren Versorgung mit Arzneimitteln- und begleitenden Hilfsmitteln bis hin zur Beratung bei einem Harnwegsinfekt durch Katheter: Wir unterstützen Sie mit praxisnahen Empfehlungen zur Katheterhygiene und alltagstauglichen Tipps dabei, ihre Blasengesundheit langfristig zu erhalten.

Wie Blasenentzündungen im Zusammenhang mit einem Blasenkatheter entstehen, woran sie erkannt werden können und welche Maßnahmen helfen, gezielt vorzubeugen – diese unter weitere wichtige Informationen haben wir in diesem Beitrag für Sie übersichtlich zusammengefasst.

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Ein junger Mann sitzt auf einem Bett. In den Händen hält er einen Katheterbeutel.

Was ist ein Harnwegsinfekt durch Katheter?

Ein Harnwegsinfekt durch Katheter ist eine symptomatische Infektion der Harnwege, die in einem zeitlichen und ursächlichen Zusammenhang mit der Anwendung eines Blasenkatheters steht. Er entsteht meist durch aufsteigende Bakterien, die im Rahmen der Katheterisierung leichter in die Harnblase gelangen können. Häufig handelt es sich dabei um Darmbakterien wie Escherichia coli.

Besonders häufig betroffen sind Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung, die regelmäßig katheterisieren. Zusätzliche Risikofaktoren wie Restharn, eine eingeschränkte Blasenentleerung oder eine veränderte Blasenfunktion können die Entstehung von Infektionen zusätzlich begünstigen.

Harnwegsinfektionen zählen insgesamt zu den häufigsten nosokomialen Infektionen (Krankenhausinfektionen). Katheterassoziierte Blasenentzündungen machen dabei einen erheblichen Anteil aus.

Was sind die Ursachen für einen Harnwegsinfekt durch Katheter?

Ein Blasenkatheter ist nicht eigentliche die Ursache, jedoch ein wichtiger Risikofaktor für Harnwegsinfektionen. Auch bei korrekter Anwendung und sorgfältiger Hygiene können Infektionen auftreten. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, hängt unter anderem von der Art der Katheterisierung sowie von individuellen Voraussetzungen ab.
  • Überbrückung der natürlichen Schutzbarriere

    Die Harnröhre verfügt über natürliche Schutzmechanismen, die das Aufsteigen von Keimen in die Blase normalerweise verhindern. Ein Katheter kann diese Schutzbarriere mechanisch überbrücken und Bakterien dadurch einen direkten Zugang zur Harnblase ermöglichen.

  • Anatomische Faktoren: Erhöhtes Risiko bei Frauen

    Frauen sind aufgrund der kürzeren Harnröhre grundsätzlich anfälliger für Harnwegsinfektionen. Zusätzlich können hormonelle Veränderungen, etwa in den Wechseljahren, die Schleimhautbarriere schwächen und das Infektionsrisiko weiter erhöhen.

  • Einschleppung von Keimen

    Auch bei sorgfältiger Katheterhygiene lässt sich das Risiko einer Keimeinschleppung nicht vollständig ausschließen. Beim Einführen kommt das Kathetermaterial mit Haut und Schleimhäuten im Genitalbereich in Kontakt, die natürlicherweise mit Bakterien besiedelt sind. Dadurch können Keime in die Harnröhre und von dort weiter in die Blase gelangen. Eine gute Hygiene ist daher besonders wichtig – ein Restrisiko bleibt jedoch bestehen.

  • Mechanische Reizung der Blasenschleimhaut

    Bei der Katheterisierung kann die empfindliche Schleimhaut der Harnwege mechanisch gereizt werden oder es können kleine, meist unbemerkte Verletzungen entstehen. Dies schwächt die lokale Abwehr und erleichtert es Bakterien, sich an der Blasenwand festzusetzen und zu sich vermehren.

  • Restharn und unvollständige Blasenentleerung

    Bei Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung kommt es häufig zu Harnverhalt oder einer unvollständigen Blasenentleerung. Verbleibt Restharn in der Blase, bietet dieser Bakterien einen idealen Nährboden. Das Infektionsrisiko steigt dadurch deutlich.

  • Weitere begünstigende Faktoren

    Zusätzliche Faktoren können das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter weiter erhöhen, zum Beispiel:

    • Störungen im Darmmanagement (z.B. Stuhlinkontinenz)

    • dauerhaft geringe Trinkmenge

    • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus

    • eine geschwächte Immunabwehr

    • Blasen- oder Nierensteine

  • Besonderheiten beim ISK

    Beim ISK kommt es durch den regelmäßigen Katheterwechsel wiederholt zu einer mechanischen Belastung der Harnröhre und der Blasenschleimhaut. Diese wiederkehrende Reizung kann das Risiko für Harnwegsinfektionen erhöhen.

  • Besonderheiten beim Dauerkatheter: Biofilmbildung

    Beim Dauerkatheter verbleibt der Blasenkatheter über einen längeren Zeitraum in der Blase. In dieser Zeit können sich Bakterien an der Katheteroberfläche anlagern und einen sogenannten Biofilm bilden. Dieser schützt die Keime und erleichtert ihre Vermehrung. Innerhalb des Biofilms sind Bakterien für das Immunsystem und für Antibiotika häufig schwerer erreichbar – dadurch wird die Entstehung und das Fortbestehen von Harnwegsinfektionen begünstigt.

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Wie hoch ist das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter?

Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) sowie die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) sind sich einig: Der ISK ist im Vergleich zum Dauerkatheter insgesamt mit einem geringerem Rsiko für katheterassoziierte Harnwegsinfektionen verbunden.

Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass beim ISK kein dauerhaftes Fremdmaterial in der Blase verbleibt. Dadurch wird die kontinuierliche Besiedelung mit Bakterien sowie die Bildung von Biofilmen deutlich reduziert.

Dennoch gilt auch beim ISK: Das individuelle Infektionsrisiko hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem von der Kathetertechnik (Einführen und Entfernen), der Häufigkeit der Katheterisierung, hygienischen Maßnahmen sowie begleitenden Grunderkrankungen.

Welche Symptome treten bei einem Harnwegsinfekt durch Katheter auf?

Die Symptome unterscheiden sich bei einem Harnwegsinfekt durch Katheter häufig von denen einer klassischen Blasenentzündung. Typische Beschwerden wie Brennen beim Wasserlassen sind oft nicht vorhanden oder lassen sich nicht eindeutig zuordnen.

Gerade bei Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung können Schmerzen oder verstärkter Harndrang vermindert wahrgenommen werden. Stattdessen äußert sich ein Harnwegsinfekt durch Katheter häufig atypisch und durch unspezifische Allgemeinsymptome. Welche Anzeichen auftreten, hängt zudem von der Katheterart und der individuellen Blasenfunktion ab.

Symptome

ISK

Dauerkatheter

Fieber oder erhöhte Körpertemperatur

Ja

Ja

Allgemeines Unwohlsein oder Krankheitsgefühl

Ja

Ja

Müdigkeit oder ausgeprägte Abgeschlagenheit

Ja

Ja

Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch

Ja

Ja

Flankenschmerzen bzw. Rückenschmerzen im Bereich der Nieren

Ja

Ja

Neu auftretende Schmerzen im Bereich der Blase oder entlang des Katheterverlaufs

Nein

Ja

Schmerzen oder Reizgefühl entlang der Harnröhre

Ja

Nein

Brennen oder Schmerzen beim Katheterisieren

Ja

Nein

Neu auftretende oder verstärkte Blasenkrämpfe

Ja

Ja

Trüber, übelriechender oder auffällig veränderter Urin

Ja

Ja

Vermehrte Trübungen, Ablagerungen oder Beläge im Katheterschlauch oder im Urinbeutel

Nein

Ja

Blut im Urin (Hämaturie)

Ja

Ja

Undichtigkeiten oder vermehrter Urinabgang neben dem Katheter

Nein

Ja

Zunahme einer bestehenden Inkontinenz

Ja

Ja

Katheterbedarf häufiger als üblich

Ja

Nein

Wann ist ärztliche Hilfe erforderlich?

Information

Da sich eine Blasenentzündung bei katheterisierten Patient:innen häufig anders äußert als eine klassische Blasenentzündung, sollten auch unspezifische Veränderungen des Allgemeinbefindens ernst genommen werden.

Für Menschen, die katheterisieren ist es besonders wichtig, bei bestimmten Beschwerden oder Veränderungen frühzeitig ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Diese Anzeichen können auf eine Blasenentzündung hinweisen – auch dann, wenn noch keine eindeutige Diagnose gestellt wurde.

Ärztliche Abklärung ist erforderlich bei:

  • Fieber oder Schüttelfrost
  • ausgeprägtem Krankheitsgefühl, deutlicher Müdigkeit oder Leistungseinbruch
  • zunehmenden Schmerzen im Unterbauch, Rücken oder Nierenbereich
  • sichtbarem Blut im Urin
  • neu auftretender oder deutlich zunehmender Inkontinenz
  • auffälligen Veränderungen des gewohnten Befindens (z.B. Zunahme von Spastik, Verwirrtheit oder Unruhe)
  • Beschwerden, die wiederholt auftreten oder sich trotz Maßnahmen nicht bessern

Besonders aufmerksam sollten sein:

  • Kinder
  • Frauen während der Schwangerschaft
  • Menschen mit neurogener Blasenfunktionsstörung
  • Patient:innen mit Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus oder einer geschwächten Immunabwehr
  • Personen mit Blasen- oder Nierensteinen
  • Menschen mit Unsicherheiten in der Katheteranwendung
  • Patient:innen mit häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen (mehr als zwei Infekte innerhalb von sechs Monaten oder drei pro Jahr)

Wie wird ein Harnwegsinfekt durch Katheter diagnostiziert

Ein Harnwegsinfekt durch Katheter wird schrittweise diagnostiziert. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelner Befund, sondern das Zusammenspiel aus Beschwerden, ärztlicher Einschätzung und Laboruntersuchungen.

Viele Patient:innen überprüfen einen möglichen Harnwegsinfekt durch Katheter zunächst selbst mithilfe von Urintests. Es kann sinnvoll sein, entsprechende Tests zu Hause vorrätig zu haben und sie bei Bedarf anzuwenden. Wichtig ist jedoch: Die Aussagekraft hängt wesentlich von der korrekten Durchführung und Auswertung ab. Da sich die Gebrauchsanweisungen je nach Hersteller unterscheiden, sollten sie immer genau beachtet werden. Bereits kleine Abweichungen bei Anwendung oder Ablesezeit können zu einer Fehleinschätzung führen.

Ergänzend sollte auch der Einsatz von Schleimhautdesinfektionsmitteln berücksichtigt werden.

Die Händehygiene ist obligatorisch. Im Rahmen des aseptischen intermittierenden Katheterismus erfolgt anschließend die Desinfektion der Harnröhrenöffnung, über die der Urin den Körper verlässt. Für die Schleimhautdesinfektion sind ausschließlich zugelassene Schleimhaut-Desinfektionsmittel zu verwenden.

Junger Mann im Rollstuhl ist zu einem Annamnesegespräch bei seiner behandelnden Ärztin.
Ärztliche Abklärung bei Verdacht

Bei entsprechenden Beschwerden sollten sich Patient:innen an ihre behandelnde Hausärzt:innen, Urolog:innen oder Neurolog:innen wenden. Dort werden die Symptome, Veränderungen des Allgemeinbefindens sowie deren zeitlicher Verlauf erfasst und klinisch eingeordnet. Gerade bei katheterisierten Patient:innen ist diese Einschätzung besonders wichtig, da die Beschwerden häufig unspezifisch sind.

Eine Urinprobe zum Feststellen von Bakterien im Urin wird im Labor untersucht.
Urinuntersuchung

Im nächsten Schritt erfolgt eine Urinuntersuchung. Dabei ist die Unterscheidung zwischen einem reinen Nachweis von Bakterien im Urin (Bakteriurie) und einem behandlungsbedürftigen Infekt entscheidend:

Bei katheterisierten Menschen ist der Nachweis von Bakterien im Urin nicht ungewöhnlich. Liegen keine begleitenden Beschwerden oder Krankheitszeichen vor, spricht man von einer asymptomatischen Bakteriurie. Diese gilt gemäß medizinischer Leitlinien nicht als behandlungsbedürftige Blasenentzündung.

Zur weiteren Abklärung wird häufig eine Urinkultur angelegt. Sie liefert wichtige Hinweise für das weitere Vorgehen, da sie zeigt, welche Bakterien im Urin vorhanden sind und in welcher Menge.

Eine Ärztin spricht mit einem jungen Patienten im Rollstuhl über die Ergebnisse seiner Untersuchung..
Gemeinsame Bewertung und Diagnosestellung

Für die endgültige Diagnose werden die Symptome, die klinische Einschätzung sowie die Ergebnisse der Urinuntersuchung ärztlich zusammengeführt und bewertet. Erst diese Gesamtbetrachtung ermöglicht eine fundierte Entscheidung darüber, ob eine behandlungsbedürftige Blasenentzündung vorliegt und welche Therapie sinnvoll ist.

Wie wird ein katheterassoziierter Harnwegsinfekt behandelt?

Information

Ergänzend zur antibiotischen Therapie können unterstützende Maßnahmen sinnvoll sein, zum Beispiel:

  • eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen)

  • körperliche Schonung bei ausgeprägtem Krankheitsgefühl oder Fieber

Bei wiederkehrenden katheterassoziierten Blasententzündungen reicht eine reine Akutbehandlung häufig nicht aus. In diesen Fällen wird gemeinsam mit den behandelnden Ärzt:innen geprüft, wie die Therapie langfristig angepasst werden kann, um erneuten Infekten gezielt vorzubeugen.

Ein Harnwegsinfekt durch Katheter wird gezielt und zurückhaltend behandelt. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern, Komplikationen zu vermeiden und unnötige Antibiotikagaben zu verhindern.

In der Regel erfolgt die Behandlung als gezielte Antibiotikatherapie. Grundlage ist häufig ein Antibiogramm, mit dem geprüft wird, welches Antibiotikum gegen den nachgewiesenen Erreger wirksam ist. So kann die Therapie gezielt gesteuert und das Risiko für Antibiotikaresistenzen reduziert werden.

Die Dauer der Antibiotikabehandlung legen die behandelnden Ärzt:innen fest. Dabei gilt der Grundsatz: so kurz wie möglich und so lang wie nötig. Eine zu kurze Behandlung kann den Infekt nicht ausreichend beseitigen, während eine zu lange Therapie das Risiko für Nebenwirkungen und Resistenzen erhöht.

Auch der Umgang mit dem Blasenkatheter spielt eine wichtige Rolle.

  • Bei einem Dauerkatheter wird häufig geprüft, ob ein Katheterwechsel sinnvoll ist.
  • Beim ISK kann die Kathetertechnik überprüft und bei Bedarf angepasst werden, um Reizungen und Infektionsrisiken zu reduzieren.

Wie lässt sich ein Harnwegsinfekt durch Katheter vermeiden?

Ein Harnwegsinfekt durch Katheter lässt sich nicht immer vollständig verhindern. Mit konsequenten und alltagstauglichen Maßnahmen kann das Risiko jedoch deutlich gesenkt werden – insbesondere bei Menschen mit wiederkehrenden Infekten.

In unserem Kompetenzzentrum Blase & Darm beraten wir Sie gerne zur sicheren Anwendung von Blasenkathetern und begleitenden Hilfsmitteln sowie zu weiteren Fragen der Infektprävention.

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Allgemeine Empfehlungen

  • Ausreichend trinken

    In der Regel 1,5–2 Liter täglich (z.B. Wasser, Kräutertee oder verdünnte Säfte), sofern keine medizinischen Gründe dagegensprechen

  • Regelmäßige Blasenentleerung nach ärztlicher Vorgabe, um Restharn und eine Überdehnung der Blase zu vermeiden

  • Wärme und Ruhe, um das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen

  • Sorgfältige Katheterhygiene, insbesondere:

    • Hände vor jeder Katheterisierung gründlich desinfizieren
    • sterile Einmalkatheter verwenden
    • auf eine möglichst saubere Umgebung achten
    • Desinfektion der Harnröhrenöffnung vor Einführen des Katheters
Eine strukturierte und kontinuierliche Beratung kann entscheidend dazu beitragen, einem Harnwegsinfekt durch Katheter langfristig vorzubeugen. Im Kompetenzzentrum Blase und Darm der Hohenzollern Apotheke begleiten wir Patient:innen sowie deren Angehörige mit pharmazeutischer Fachkompetenz, langjähriger Erfahrung und praxisnaher Beratung.

Wir unterstützen unter anderem bei Fragen zur Infektprophylaxe, zur sicheren Anwendung von Kathetern und begleitenden Hilfsmitteln sowie dabei individuelle Risikofaktoren zu erkennen und die Blasengesundheit nachhaltig zu stärken.

Isabel Wendland
Apothekerin

Prävention bei Dauerkatheter

  • Konsequente Katheterpflege

    Bei Verweilkathetern ist das Infektionsrisiko höher als bei anderen Formen der Blasenentleerung. Um das Risiko möglichst gering zu halten, ist eine konsequente Katheterpflege besonders wichtig. Dazu gehören unter anderem:

    • hygienischer Umgang mit dem gesamten Harnableitungssystem (Schlauchsystem, Auffangbeutel usw.), um Keimverschleppung und Rückfluss zu vermeiden
    • ein möglichst geschlossenes System, das nicht unnötig unterbrochen wird
    • spannungsfreie Fixierung von Katheter und Schlauch, um Zug, Druck und Reibung zu vermeiden
    • Veränderungen von Urinfarbe, Geruch oder Allgemeinbefinden ernst nehmen und ärztlich abklären lassen.
    • Spülungen von Blase oder Kathetermaterial ausschließlich nach ärztlicher Anordnung (nicht zur routinemäßigen Infektvorbeugung)
  • Kurze Katheter-Liegedauer

    • Ein Dauerkatheter sollte nur eingesetzt werden, wenn er medizinisch notwendig ist.
    • Die Anwendung eines Dauerkatheters sollte so kurz wie möglich gehalten werden.
    • Eine regelmäßige ärztliche Überprüfung, ob der Dauerkatheter weiterhin erforderlich ist, ist wichtig.
  • Regelmäßiger Katheterwechsel

    • Katheterwechsel erfolgen ausschließlich nach ärztlicher Vorgabe und nicht routinemäßig „auf Verdacht“.
    • Ein Wechsel kann sinnvoll sein, wenn Infektionen auftreten oder sich neue Beschwerden entwickeln
    • Ziel ist es, die Keimbelastung zu reduzieren und das Risiko für weitere Blasenentzündungen zu senken.

Besonderheiten und Unterstützung beim intermittierenden Selbstkatheterismus (ISK)

Patient:innen, die regelmäßig selbst katheterisieren, benötigen im Alltag eine verlässliche Anleitung und begleitende Unterstützung. Eine sichere und routinierte Anwendung kann wesentlich dazu beitragen, das Risiko für einen Harnwegsinfekt durch Katheter zu reduzieren.
  • Sterile Technik

    Hygienisches Arbeiten beim Katheterisieren senkt das Infektionsrisiko.

  • Geeignetes Kathetermaterial

    Hydrophil beschichtete Einmalkatheter schonen die Schleimhaut und werden häufig empfohlen. Katheter mit Schutzhülsen und Schutzfolien für berührungsfreies Einführen können für mehr Sicherheit sorgen.

  • Regelmäßige Blasenentleerung

    Individuell angepasste Katheterintervalle helfen, Restharn und eine Überdehnung der Blase zu vermeiden.

  • Symptome ernst nehmen

    Schon leichtes Brennen, trüber Urin oder Veränderungen des Allgemeinbefindens können frühe Warnsignale sein.

  • Schulung und Kontrolle

    Regelmäßige Überprüfung der Technik durch geschultes Fachpersonal erhöht Sicherheit, Routine und Selbstvertrauen im Alltag.

Weitere präventive Maßnahmen bei wiederkehrenden Infekten

Bei wiederkehrenden Blasenentzündungen prüfen die behandelnden Ärzt:innen, ob zusätzliche medizinische Maßnahmen sinnvoll sind, zum Beispiel:
  • Überprüfung der Blasenspeicherfunktion (z.B. Niederdruckspeicherung)

  • Optimierung der Kathetertechnik sowie der verwendeten Hilfsmittel

  • Vermeidung einer chronischen Blasenüberdehnung (z.B. Anpassung der Katheterintervalle)

  • Behandlung struktureller Risikofaktoren (z.B. Blasen- oder Nierensteine oder unzureichend behandelte neurogene Detrusorüberaktivität)

Unterstützende Maßnahmen

Ergänzend zur medizinischen Basistherapie können in ausgewählten Fällen unterstützende Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Diese sind individuell und ärztlich abzuklären.
  • Phytotherapie

    Pflanzliche Präparate können unterstützend wirken (z.B. indem sie das Anhaften von Bakterien an der Blasenwand erschweren).

  • Probiotika

    Bestimmte Lactobacillus-Stämme können zur Stabilisierung der natürlichen Vaginal- und Harnröhrenflora beitragen.

  • Lokale Östrogentherapie

    Nach der Menopause kann eine lokale Anwendung die Schleimhaut stärken (ärztliche Abklärung erforderlich).

  • Immunstimulation

    Bakterienlysate können bei ausgewählten Patient:innen die Infektrate reduzieren.

  • Blaseninstillationen

    Hyaluronsäure- oder Chondroitin-Instillationen können die Blasenschleimhaut unterstützen; Nutzen und Kostenübernahme sind individuell zu prüfen.

  • Antibiotische Prophylaxe

    Nur in Ausnahmefällen und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung.

Sprechen Sie uns an!

Sie haben Fragen zum Thema Blasengesundheit oder möchten sich von uns beraten lassen? Wir sind für Sie da: Mit unserem Kompetenzzentrum Blase & Darm sind wir als Apotheke spezialisiert auf die Betreuung von Patient:innen mit neurogener Blase. Nehmen Sie ganz einfach telefonisch oder per E-Mail Kontakt mit unseren Expert:innen auf.

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Harnwegsinfekt durch Katheter: Häufig gestellte Fragen

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