- Hämophilie ist eine Erbkrankheit und zählt zu den seltenen Erkrankungen.
- Es handelt sich um eine genetisch bedingte Blutgerinnungsstörung, bei der bestimmte Proteine (Gerinnungsfaktoren) im Blut fehlen oder nicht ausreichend vorhanden sind.
- Die Ursache der Hämophilie ist eine fehlerhafte Information auf dem X-Chromosom, weshalb die sogenannte Bluterkrankheit bei Männern deutlich häufiger vorkommt.
- Der erste Verdacht wird in der Regel bereits in den ersten beiden Lebensjahren bei den behandelnden Kinderärzt:innen geäußert. Die Diagnose erfolgt in spezialisierten Gerinnungszentren durch Fachärzt:innen (Hämostaseolog:innen).
- Hämophilie ist nicht heilbar, lässt sich aber durch das Ersetzen der fehlenden Gerinnungsfaktoren (Substitution) heute sehr gut behandeln.
- Die benötigten Faktorpräparate sind hochspezialisierte Arzneimittel. Für ein sicheres Handling und eine lückenlose Logistik sollte die Versorgung durch eine spezialisierte Apotheke erfolgen.
- Bei konsequenter Therapie können Patient:innen ein weitgehend normales Leben führen.
Was Sie über die Bluterkrankheit wissen sollten
Die Diagnose Hämophilie bedeutet für Betroffene und ihre Angehörigen eine lebenslange Auseinandersetzung mit einer erhöhten Blutungsneigung, hervorgerufen durch eine genetisch bedingte Störung der Blutgerinnung. Häufig wird die Hämophilie deshalb auch als Bluterkrankheit bezeichnet.
Es handelt sich um eine seltene Erbkrankheit, die nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht heilbar ist. Dank moderner Therapiemöglichkeiten können Patient:innen jedoch ein weitgehend normales Leben führen.
Wie Hämophilie vererbt wird, welche Symptome auftreten, wie die Diagnose gestellt wird und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, haben wir Ihnen hier übersichtlich zusammengefasst.
Ihre Hämophilie-Versorgung in guten Händen
Mit Erfahrung, Know-How und Engagement versorgen wir in der Hohenzollern Apotheke zuverlässig und lückenlos Hämophilie-Patient:innen mit ihren benötigten Medikamenten und Faktorpräparaten. Dabei stehen wir Patient:innen und ihren Familien vom ersten Tag der Behandlung als kompetenter Partner mit Rat und Tat zur Seite.
Entdecken Sie die Vorteile der Betreuung durch unser spezialisiertes Team und profitieren Sie von unserer Erfahrung im Bereich der Hämophilie-Versorgung.
Inhaltsverzeichnis
- Wenn das Blut nicht gerinnt
- Was unterscheidet Hämophilie A und Hämophilie B?
- Abgrenzung zum Von-Willebrand-Syndrom
- Ursachen und Vererbung von Hämophilie
- Symptome und Schweregrade der Hämophilie
- Wie wird die Diagnose gestellt?
- Wie wird Hämophilie behandelt?
- Ihr zuverlässiger Partner in der Hämophilie-Versorgung
- FAQ – Häufige Fragen zur Hämophilie
- Sie haben Fragen oder möchten mehr erfahren?
Wenn das Blut nicht gerinnt
Wie funktioniert die Blutgerinnung?
Die physiologische Blutgerinnung ist ein lebensnotwendiger Schutzmechanismus des Körpers. Sie basiert auf einer komplexen Abfolge bestimmter Reaktionen – der sogenannten Gerinnungskaskade.
An diesem Prozess sind verschiedene spezialisierte Proteine im Blut beteiligt, die als Gerinnungsfaktoren bezeichnet werden. Diese Gerinnungsfaktoren fungieren wie Zahnräder in einem Uhrwerk: Fehlt ein Baustein oder ist er defekt, greifen die Zahnräder nicht mehr ineinander und die gesamte Gerinnungskaskade kommt zum Stillstand. Die Blutgerinnung kann dann nicht, wie eigentlich vorgesehen, stattfinden.
Die Bluterkrankheit: Hämophilie
Bei einer Hämophilie liegt ein genetisch bedingter Gerinnungsdefekt vor. Das bedeutet, dass der Körper aufgrund einer fehlerhaften Erbinformation einen dieser Gerinnungsfaktoren entweder gar nicht, in zu geringer Menge oder in einer fehlerhaften Struktur produziert. Daraus resultiert eine erhöhte Blutungsneigung.
Bei Menschen mit Hämophilie stoppen Blutungen oft nicht von alleine. Zudem kann es zu spontanen Blutungen kommen. Ohne eine entsprechende Behandlung drohen schwerwiegende Folgen: von strukturellen Schäden an den Muskeln und chronischen Gelenkveränderungen, über Einschränkungen der körperlichen Leistungsfähigkeit bis hin zu lebensbedrohlichen Organschäden.
Eine konsequente medizinische Betreuung ist die essenzielle Basis, um akute Gefahren abzuwenden und Langzeitschäden vorzubeugen.
Die Gerinnungskaskade
Was unterscheidet Hämophilie A und Hämophilie B?
Hämophilie A
Hier liegt ein Mangel oder Defekt des Faktors VIII (FVIII) vor. Etwa 80 bis 85 % aller Hämophilen sind von diesem Typ betroffen. Es ist die mit Abstand häufigste Form der Hämophilie.
Hämophilie B
Diese Form betrifft den Faktor IX (FIX). Sie tritt deutlich seltener auf, erfordert jedoch eine ebenso sorgfältige Überwachung und Therapie.
Abgrenzung zum von-Willebrand-Syndrom
Das von-Willebrand-Syndrom (vWS) ist ebenfalls eine genetisch bedingte Störung der Blutgerinnung. Es wird häufig mit Hämophilie verwechselt und ist eigentlich sogar die häufigste aller Erbkrankheiten, die die Gerinnung betreffen.
Die Symptome ähneln sich. Der entscheidende Unterschied: Während bei der Hämophilie ein spezifischer Faktor (FVIII oder FIX) fehlt oder nicht ausreichend vorhanden ist, ist beim vWS ein spezielles Trägerprotein fehlerhaft oder vermindert.
Dieses Trägerprotein hat eine zweifache Schutzfunktion: Es dient erstens als „Klebstoff“, der die Blutplättchen an die Gefäßwand bindet, und zweitens als notwendiges Trägerprotein für den Faktor VIII. Ohne diesen „Transporter“ wird der Faktor VIII im Blut zu schnell abgebaut.
Ursachen und Vererbung von Hämophilie
Exkurs: Was ist eine Spontanmutation?
In etwa 30 % der Fälle tritt eine Hämophilie ohne vorherige familiäre Belastung auf. Man spricht von einer Spontanmutation. Das bedeutet, dass der Gendefekt bei der Entstehung der Keimzellen oder während der frühen Embryonalentwicklung neu entsteht. Auch wenn dies statistisch bei fast einem Drittel der Patient:innen vorkommt, bleibt die Hämophilie insgesamt eine seltene Erkrankung.
Welche Rolle spielt das X-Chromosom?
Hämophilie ist eine Erbkrankheit, die nach festen biologischen Regeln an die nächste Generation weitergegeben wird. Die Information zur Blutgerinnung und damit auch die genetische Ursache der Gerinnungsstörung sind auf dem X-Chromosom gespeichert. Die Vererbung verläuft X-chromosomal rezessiv.
- Da Männer nur ein X-Chromosom (XY) besitzen, führt ein Defekt zwangsläufig dazu, dass die Hämophilie klinisch in Erscheinung tritt.
- Frauen hingegen besitzen zwei X-Chromosomen (XX). Eine fehlerhafte Information auf einem der beiden Chromosomen wird in der Regel durch das Zweite kompensiert.
Lange Zeit galt Hämophilie deshalb als eine Erkrankung, von der vor allem Männer betroffen sind, während bei Frauen vor allem das Risiko der Vererbung an die nächste Generation im Fokus stand. Heute weiß man, dass es auch bei Frauen mit Hämophilie zu einer behandlungsbedürftigen Gerinnungsstörung kommen kann.
Erbschema der Hämophilie
Was bedeutet es, eine Konduktorin zu sein?
Frauen, die das Hämophilie-Gen in sich tragen, werden Konduktorinnen oder auch Überträgerinnen genannt. Häufig tritt die Hämophilie bei ihnen gar nicht oder in einer milderen Verlaufsform in Erscheinung. Zu einem schweren Verlauf der Hämophilie kommt es bei Frauen in der Regel nur, wenn beide X-Chromosomen den Gendefekt aufweisen.
Die Symptome einer verminderten Faktor-Aktivität und der damit verbundenen erhöhten Blutungsneigung unterscheiden sich bei Frauen und Männern. Neben den allgemeinen Symptomen kann sich die Hämophilie bei Frauen auch durch eine verstärkte Menstruationsblutung, Blutungen nach einer Entbindung sowie durch ungewöhnliche Blutungen während der Perimenopause bemerkbar machen. Eine erhöhte Neigung zu Blutungen sowie die typischen Komplikationen werden bei Überträgerinnen häufig nicht mit der Hämophilie in Verbindung gebracht – obwohl auch sie von einer gezielten Therapie profitieren würden.
Während Söhne einer Überträgerin ein Risiko von 50 Prozent haben, an Hämophilie zu erkranken, werden Töchter zu 50 Prozent selbst wieder zur Überträgerin. Eine Konduktorin, die den Gendefekt auf beiden X-Chromosomen trägt, ist eine genetische Seltenheit. In diesem Fall erhöht sich die Wahrscheinlichkeit der Weitervererbung in beiden Fällen auf 100 Prozent.
Symptome und Schweregrade der Hämophilie
Das klinische Bild der Hämophilie ist von einer deutlich gesteigerten Blutungsneigung geprägt, die sich zum Beispiel durch vermehrte blaue Flecken (Hämatome) und übermäßige Blutungen nach Verletzungen oder Operationen zeigt. Erste Anzeichen treten oft bereits im Kindesalter auf. Die Ausprägung der Symptome hängt unmittelbar davon ab, wie viel funktionsfähiger Gerinnungsfaktor im Blut vorhanden ist.
Welche Symptome treten bei Hämophilie auf?
Zu den typischen Symptomen der Hämophilie gehören:

Hämatome
Großflächige blaue Flecken (Hämatome), die bereits bei geringfügigen Stößen auftreten, und das gehäufte Auftreten von blauen Flecken sind häufig ein Anzeichen für eine hämophile Blutgerinnungsstörung.
Gelenkblutungen
Einblutungen in die Gelenke, die sich durch Schmerzen, Schwellungen und Überwärmung in den jeweiligen Gelenken äußern. Unbehandelte Gelenkblutungen können dabei zu dauerhaften Schäden in den Gelenken und Bewegungseinschränkungen führen.
Muskelblutungen
Einblutungen in die Muskulatur, die sich durch Spannungsgefühle, Schmerzen bei Bewegung oder Druck sowie Schwellungen und verhärtete Muskelpartien äußern. Besonders häufig treten Muskelblutungen in den Waden-, Unterarm- und Oberschenkelmuskeln auf.
Übermäßige Blutungen nach Trauma, Verletzungen oder chirurgischen Eingriffen
Eisenmangel
Der schwere und vermehrte Blutverlust kann zudem zu einem Eisenmangel führen, der sich durch Abgeschlagenheit, Müdigkeit, einer verringerten Leistungsfähigkeit und Konzentrationsproblemen bemerkbar macht.
Welche Schweregrade von Hämophilie gibt es?
Je nach Restaktivität der Gerinnungsfaktoren unterscheidet die Medizin zwischen einer milden, mittelschweren und schweren Hämophilie.
Schweregrad | Faktor-Aktivität | Symptomatik |
|---|---|---|
Schwere Hämophilie | < 1 % | Häufige Spontanblutungen (ohne erkennbare Ursache), zum Beispiel Gelenkblutungen oder Muskelblutungen. |
Mittelschwere Hämophilie | 1 % – 5 % | Verstärkte Blutungen nach leichten Verletzungen oder kleineren Eingriffen; Spontanblutungen sind selten. |
Milde Hämophilie | > 5 % – 40 % | Verstärkte Blutungen treten meist nur nach schweren Verletzungen, Operationen oder Zahnextraktionen auf. |
Wann besteht ein akuter Notfall, der sofort ärztlich versorgt werden sollte?
Bei einer Hämophilie können akute Blutungen lebensgefährlich werden oder ohne rasche Behandlung dauerhafte Folgeschäden verursachen. Bei folgenden Warnzeichen sollte umgehend medizinische Hilfe (im behandelnden Hämophilie-Zentrum, der Notaufnahme oder über den Notruf 112) gesucht werden:
- Kopfverletzungen oder Prellungen am Kopf
- Blutungen im Mund-, Rachen- oder Halsbereich (Gefahr von Atemwegsblockaden)
- Starke, plötzlich auftretende Schmerzen im Bauch-, Rücken- oder Flankenbereich
- Blut im Urin oder sichtbares Blut im Stuhl (bzw. teerartig schwarzer Stuhl)
- Plötzliche, starke Schwellungen, Überwärmung und erhebliche Bewegungseinschränkungen
- Zunehmende Schmerzen, Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Armen oder Beinen (Anzeichen für Muskelblutungen mit Nervenkompression)
- Anhaltende Unruhe, Erbrechen, Benommenheit oder Verwirrtheit (besonders bei Säuglingen und Kleinkindern nach Stürzen)
- Blutungen, die sich trotz erster Faktorgabe oder Kompression nicht stoppen lassen
Wichtig im Notfall: Informieren Sie Rettungskräfte sowie das Klinikpersonal sofort über die vorliegende Hämophilie und das benötigte Faktorpräparat! Am besten führen Sie hierfür einen Notfallpass mit.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Der Weg zur Diagnose führt meist über die Hausarztpraxis oder die behandelnden Kinderärzt:innen. Werden Anzeichen für eine erhöhte Blutungsneigung festgestellt oder gibt es im direkten familiären Umfeld Menschen, die an Hämophilie erkrankt oder bekannte Konduktorinnen sind, erfolgt eine Überweisung in spezialisierte Gerinnungszentren. Die schrittweise diagnostische Abklärung übernehmen Fachärzt:innen, die auf Störungen der Blutstillung spezialisiert sind, sogenannte Hämostaseolog:innen.

Im ersten Schritt wird im Venenblut die sogenannte aPTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit) bestimmt. Dieser globale Gerinnungswert gibt an, wie lange das Blut benötigt, um zu gerinnen. Bei einer Hämophilie ist die aPTT charakteristisch verlängert, während andere Standardwerte (wie der Quick-Wert oder die Blutplättchenanzahl) in der Regel normal ausfallen.

Zeigt sich eine verlängerte aPTT, wird die genaue Aktivität der einzelnen Gerinnungsfaktoren im Labor gemessen. Die Bestimmung der Faktor-VIII-Aktivität (bei Verdacht auf Hämophilie A) bzw. der Faktor-IX-Aktivität (bei Verdacht auf Hämophilie B) sichert die Diagnose ab. Der gemessene Prozentwert bestimmt zugleich den Schweregrad.

Eine DNA-Analyse kann die genaue Mutation identifizieren. Diese Untersuchung ist besonders wertvoll für die Familienplanung und Risikoabschätzung bei potenziellen Konduktorinnen sowie zur Vorhersage des Risikos einer Hemmkörperbildung.
Da das Immunsystem im Laufe der Behandlung Antikörper gegen die zugeführten Gerinnungsfaktoren entwickeln kann, gehört der regelmäßige Nachweis von Hemmkörpern zur Standarddiagnostik. Über spezielle Tests (wie den Bethesda-Assay) wird gemessen, ob und in welcher Konzentration neutrale Antikörper vorhanden sind, um die Therapie bei Bedarf umgehend anzupassen.
Wie wird Hämophilie behandelt?
Bei der Behandlung von Hämophilie geht es darum, akute Blutungen zu stoppen, potentiellen Blutungen vorzubeugen und Folgeschäden durch wiederkehrende Muskel- und Gelenkblutungen zu verhindern. Die Therapie zielt dabei darauf ab, den Patient:innen ein aktives und weitgehend normales Leben zu ermöglichen. Je nach Schwere und Verlaufsform der Hämophilie erfolgt die Therapie als Langzeitprophylaxe oder Bedarfsbehandlung im Fall einer Blutung oder vor geplanten Operationen. Bei einer schweren Hämophilie ist die Prophylaxe heute zentraler Punkt der Behandlung.
Verlauf, Schweregrad und individuelle Blutungsneigung
Zustand der Muskeln und Gelenke
Individuelle Lebenssituation
Körperliche Aktivität
Was bedeutet Substitutionstherapie mit Faktorenkonzentraten?
Die Basis der Therapie ist in der Regel eine intravenöse Substitutionstherapie. Dabei werden die fehlenden Gerinnungsfaktoren ersetzt, wobei hochreine Faktorenkonzentrate zum Einsatz kommen. Durch diese gezielte Zufuhr der konzentrierten Gerinnungsfaktoren kann die Blutgerinnung so stabilisiert werden, dass die Patient:innen im Alltag weitgehend geschützt sind.
Prophylaxe
Die regelmäßige, vorsorgliche Gabe der Faktorpräparate, um den Faktorspiegel dauerhaft auf einem Niveau zu halten, das Spontanblutungen vorbeugt.
Bedarfsbehandlung
Die Anwendung der jeweiligen Faktorpräparate im Falle einer akuten Verletzung oder vor geplanten Operationen. Auch Patient:innen unter Prophylaxe benötigen eine Bedarfsbehandlung, wenn trotz Vorsorge eine akute Blutung auftritt.
Hämophilieversorgung mit Erfahrung

Julia Dunckhöfner,
Pharmazeutisch-technische Assistentin
im Bereich Hämophilie-Versorgung der Hohenzollern Apotheke
Komplikationen: Wenn Hemmkörper entstehen
In einigen Fällen kann das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern auf die zugeführten Gerinnungsfaktoren reagieren. Diese Antikörper werden Hemmkörper genannt und neutralisieren die Wirkung der injizierten Gerinnungsfaktoren. Sollte eine solche Hemmkörper-Hämophilie auftreten, stehen den behandelnden Ärzt:innen alternative Behandlungsstrategien zur Verfügung, um die Gerinnung dennoch sicherzustellen. Die engmaschige Überwachung in einem spezialisierten Zentrum ist hierfür die wichtigste Voraussetzung.
Gibt es alternative Behandlungsmöglichkeiten?
Bei Patient:innen mit schwerer Hämophilie A kommt neben der Therapie mit Faktorpräparaten auch eine Langzeitprophylaxe mit Antikörpern zum Beispiel mit dem Wirkstoff Emicizumab in Frage. Dabei handelt es sich um bispezifische Antikörper, die den Faktor VIII nachahmen. Emicizumab wird unter die Haut gespritzt.
Leichte Formen der Hämophilie A werden oftmals nicht prophylaktisch, sondern als Bedarfsbehandlung, etwa bei akuten Blutungen oder vor geplanten Operationen, therapiert. Dabei kommt häufig der Wirkstoff Desmopressin zum Einsatz. Es handelt sich um ein synthetisches Hormon, welches eine vermehrte Freisetzung des Faktors VIII herbeiführt. Desmopressin wirkt ausschließlich bei Hämophilie A.
Exkurs: Die Gentherapie als neue Behandlungsmethode
Im Jahr 2023 wurde in der EU zudem erstmals eine Gentherapie zugelassen, die unter bestimmten Voraussetzungen für Patient:innen mit schwerer Hämophilie A oder B in Frage kommt. Sie kann die regelmäßige Substitution mit Faktorpräparaten ersetzen und so die Lebensqualität steigern.
Voraussetzungen (Eligibility): Die Gentherapie kommt nur für eine eng begrenzte Patientengruppe infrage. Wichtige Kriterien sind unter anderem ein Alter ab 18 Jahren, eine intakte Leber ohne schwere Vorerkrankungen sowie das Fehlen von Hemmkörpern und Antikörpern.
Wirkdauer & Ziel: Das Ziel der Behandlung ist es, dass der Körper den Gerinnungsfaktor für mehrere Jahre eigenständig produziert. Dadurch können regelmäßige Spritzen über einen langen Zeitraum ersetzt werden. Studiendaten zeigen jedoch, dass die Faktor-Aktivität im Laufe der Jahre wieder absinken kann. Die Wirkung ist also zeitlich begrenzt und die Behandlung lässt sich nach heutigem Stand nicht einfach wiederholen.
Engmaschiges Monitoring: Nach der Behandlung sind eine langfristige und enge Nachsorge und regelmäßige Kontrolle der Blut- und Leberwerte notwendig.
Keine endgültige Heilung: Wichtig zu wissen ist, dass diese Therapie keine Heilung bedeutet. Die genetische Ursache der Hämophilie bleibt bestehen und wird auch weiterhin an eigene Kinder vererbt.

Unterstützende Maßnahmen: Physiotherapie und Sport
Durch regelmäßige körperliche Aktivität können die Muskulatur und die Gelenke gestärkt und zusätzlich geschützt werden. Zudem fördert Sport die Koordinationsfähigkeit, verbessert das Körpergefühl und kann so dazu beitragen, das Verletzungsrisiko zu reduzieren. Aus diesem Grund wird der Behandlungsplan häufig durch Physio- und Sporttherapie ergänzt.
Auch nach akuten Einblutungen, die häufig Gelenkentzündungen zur Folge haben, kann eine gezielte Mobilisation mögliche Langzeitfolgen, wie Muskelverkürzungen oder Einschränkungen in der Bewegungsfähigkeit, verhindern.
Die Wahl einer geeigneten Sportart sollte in Absprache mit den behandelnden Ärzt:innen und unter Berücksichtigung der individuellen Situation sowie der Verlaufsform der Hämophilie getroffen werden. Von Kontaktsportarten, Rennsport oder besonders schnellen Sportarten wird grundsätzlich abgeraten, da sie ein hohes Verletzungsrisiko mit sich bringen.
Ihr zuverlässiger Partner in der Hämophilie-Versorgung
Eine erfolgreiche Therapie der Hämophilie ist das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit. Neben der medizinischen Betreuung durch Hämostaseolog:innen in spezialisierten Gerinnungszentren spielt auch die lückenlose und kompetente Versorgung mit den benötigten Präparaten eine zentrale Rolle für die Sicherheit der Patient:innen.
Sprechen Sie uns an und erfahren Sie mehr über die Hämophilie-Versorgung der Hohenzollern Apotheke in Münster!
FAQ – Häufige Fragen zur Hämophilie
Ja, Hämophilie und Bluterkrankheit bezeichnen beide die gleiche Erbkrankheit, die eine erhöhte Blutungsneigung zur Folge hat.
Ja, Hämophilie zählt zu den seltenen Erkrankungen, da sie weniger als 5 von 10.000 Menschen betrifft.
Laut dem aktuellen Bericht des Deutschen Hämophilieregisters (DHR 2023/2024) wurden für das Jahr 2023 insgesamt ca. 6.700 Personen mit Hämophilie A oder B in Deutschland erfasst (5.646 mit Hämophilie A und 1.049 mit Hämophilie B). Rund die Hälfte der Betroffenen (ca. 3.400 Personen) leidet an einer schweren Verlaufsform.
Eine zentrale Anlaufstelle für Patient:innen und ihre Angehörigen sind unter anderem die Deutsche Hämophiliegesellschaft e.V. (dhg) oder die Interessengemeinschaft Hämophiler e.V. (IGH e.V.).
Bei schweren Formen erfolgt die Diagnose meist innerhalb weniger Tage nach den ersten Symptomen (oft im ersten Lebensjahr). Bei milden Formen kann es vom ersten Verdacht bis zur gesicherten Diagnose Wochen oder Monate dauern, da der Verdacht oft erst nach einer ungewöhnlichen Blutung (z. B. bei einer Zahn-OP) geäußert wird.
Dank der medizinischen Fortschritte der letzten Jahrzehnte hat sich das Leben mit der Bluterkrankheit grundlegend gewandelt. Bei einer frühzeitigen Diagnose sowie einer konsequenten, leitliniengerechten Therapie ist heute von einer normalen Lebenserwartung auszugehen.
Die heute zur Verfügung stehenden modernen Therapiemöglichkeiten tragen wesentlich zu einer Verbesserung der Lebensqualität bei, sodass Menschen, die an der Bluterkrankheit Hämophilie leiden, ein weitgehend normales Leben führen können.
Nein, der Gerinnungsdefekt bleibt stabil. Allerdings können sich die Folgen (z. B. Gelenkschäden) verschlimmern, wenn die Therapie nicht konsequent durchgeführt wird.
In der Regel erfolgt die Gabe als Injektion direkt in die Vene (intravenös).
Meist ein- bis dreimal wöchentlich, abhängig vom Präparat und dem individuellen Stoffwechsel der Patient:innen.
Nein. Das Ziel ist die sogenannte Heimselbstbehandlung. Patient:innen, ihre Eltern oder betreuende Personen werden hierfür umfassend von den behandelnden Ärzt:innen aufgeklärt und lernen, die Injektionen selbstständig zu Hause durchzuführen.
In enger Absprache mit den behandelnden Ärzt:innen beginnen viele Kinder im Alter von ca. 10 bis 12 Jahren unter Aufsicht mit der Selbstanwendung der Faktorpräparate. Der genaue Zeitpunkt hängt jedoch stark von der individuellen Entwicklung des Kindes ab.
Die meisten Präparate müssen im Kühlschrank bei 2 °C bis 8 °C gelagert werden. Einige können kurzfristig bei Raumtemperatur aufbewahrt werden – beachten Sie hierzu unbedingt die Packungsbeilage.
Unser Team für Hämophilieversorgung
Die folgenden medizinischen Quellen und Leitlinien wurden zur Erstellung dieses Artikels herangezogen. Sie dienen der wissenschaftlichen Einordnung und Qualitätssicherung der Inhalte.
- Bundesgesetzblatt. Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV). BGBl. I S. 1317. 2019. Verfügbar unter: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/gesetze-und-verordnungen/detail/gesetz-fuer-mehr-sicherheit-in-der-arzneimittelversorgung-gsav
- Castaman G, Linari S. Diagnosis and Treatment of von Willebrand Disease and Rare Bleeding Disorders. J Clin Med. 2022;11(4):932. DOI: 10.3390/jcm11040932. Verfügbar unter: https://www.mdpi.com/2077-0383/11/4/932
- Childers KC, Peters SC, Spiegel PC. Structural insights into blood coagulation factor VIII: Procoagulant complexes, membrane binding, and antibody inhibition. J Thromb Haemost. 2022;20(9):1957-1970. DOI: 10.1111/jth.15793. Verfügbar unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jth.15793
- DePablo-Moreno JA, Lancellotti S, De Cristofaro R. The Vascular Endothelium and Coagulation: Homeostasis, Disease, and Treatment, with a Focus on the Von Willebrand Factor and Factors VIII and V. Int J Mol Sci. 2022;23(15):8283. DOI: 10.3390/ijms23158283. Verfügbar unter: https://www.mdpi.com/1422-0067/23/15/8283
- Deutsche Hämophiliegesellschaft (DHG). Was ist Hämophilie? Basisinformationen für Betroffene und Angehörige. Hamburg: DHG; [o. J.]. Verfügbar unter: https://www.dhg.de/fileadmin/dokumente/sonderdrucke/Haemophilie.pdf
- European Medicines Agency (EMA). EPAR – Hemgenix (etranacogene dezaparvovec). Amsterdam: EMA; 2023. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/hemgenix
- European Medicines Agency (EMA). EPAR – Roctavian (valoctocogene roxaparvovec). Amsterdam: EMA; 2022. Verfügbar unter: https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/roctavian
- Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e. V. (GTH). Basiswissen Hämophilie. 2023. Verfügbar unter: https://www.passion-haemostaseologie.de/haemophilie
- Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseforschung e. V. (GTH). S2k-Leitlinie Synovitis bei Hämophilie. Stand: 02.12.2021, 2. Aufl. 2022. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/086-005l_S2k_Synovitis-bei-Haemophilie_2023-02.pdf
- Hotea I, Golea C, Naghiu DP, et al. Current therapeutic approaches in the management of hemophilia - a consensus view by the Romanian Society of Hematology. Ann Transl Med. 2021;9(14):1191. DOI: 10.21037/atm-20-4357. Verfügbar unter: https://atm.amegroups.org/article/view/58374/html
- Mahlangu J, Kaczmarek R, von Drygalski A, et al. Two-Year Outcomes of Valoctocogene Roxaparvovec Gene Therapy for Severe Hemophilia A. N Engl J Med. 2023;388(8):694-705. DOI: 10.1056/NEJMoa2210645. Verfügbar unter: https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2210645
- Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Bericht des Deutschen Hämophilieregisters (DHR) 2023/2024. Langen: PEI; 2025. Verfügbar unter: https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/regulation/meldung/dhr-deutsches-haemophilieregister/dhr-jahresbericht-2023-2024.pdf
- Srivastava A, Santagostino E, Dougall A, et al. WFH Guidelines for the Management of Hemophilia, 3rd edition. Haemophilia. 2020;26(Suppl 6):1-158. DOI: 10.1111/hae.14046. Verfügbar unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/hae.14046
Die Bilder auf dieser Seite dienen der Veranschaulichung und wurden mit KI generiert.













